Wenn ich die Bilder heute anschaue, bin ich gedanklich sofort wieder dort: an der Outdoor-Seilerbahn entlang der Hunziker-Halle, zwischen fertigen Stricken, dem Duft von Hanf bei der Herstellung von Samichlaus-Geisseln und dem geschäftigen Treiben in unserer «Bude», wie wir die Seilerei damals nannten.
Schon als Kind zog es mich immer wieder in den Betrieb meines Vaters Ledi und meines Grossvaters Alfred. Mich faszinierten die Maschinen, die Materialien und die handwerkliche Arbeit. Ich beobachtete, wie aus einzelnen Fasern und Garnen Seile für die unterschiedlichsten Anwendungen entstanden.
Dabei hatte ich durchaus noch andere Leidenschaften. Ich spielte Klarinette, war in der Leichtathletik aktiv und züchtete Kaninchen. Trotzdem verbrachte ich einen grossen Teil meiner Freizeit in der Seilerei. Irgendetwas an diesem Handwerk liess mich nicht mehr los.
Schon damals war für mich klar: Eines Tages möchte ich dieses Handwerk erlernen und weiterführen.
Vom Willisauer Schüler zum Textilingenieur
Nach meiner Schulzeit in Willisau führte mich mein Weg zunächst nach Deutschland. Dort studierte ich Textilingenieurwesen und vertiefte mein Wissen über Materialien, Konstruktionen und textile Technologien.
Während des Studiums wurde mir noch bewusster, was ich bereits als Kind gespürt hatte: Die Welt der Seile ist unglaublich vielseitig. Hinter jedem Seil steckt weit mehr als nur ein textiles Produkt. Es geht um Materialwissen, Konstruktion, Sicherheit, Belastbarkeit und oft auch um kreative Lösungen für ganz spezifische Anforderungen. Diese Vielseitigkeit begeistert mich bis heute.
Mit Begeisterung in die dritte Generation
Heute darf ich die Seilerei Herzog AG gemeinsam mit meiner Frau Martina und unserem engagierten Team in dritter Generation führen.
Seit meinen Kindheitstagen hat sich vieles verändert. Im Jahr 2012 konnten wir in ein grösseres Gebäude auf dem Gelände der Ackermann Fahrzeugbau AG umziehen. Unsere Maschinen wurden moderner und zahlreicher, die Materialien vielfältiger und die Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden anspruchsvoller.
Was geblieben ist, sind Neugier, Begeisterung und die Freude daran, immer wieder neue Wege zu finden.
Wir beschäftigen uns täglich intensiv mit den Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden. Dabei verbinden wir jahrzehntelange Erfahrung mit aktuellem textilem Fachwissen. Unsere Seile kommen heute in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz von Bau, Industrie und Landwirtschaft über Feuerwehr und Berufsbekleidung bis hin zu Sport und Freizeit.
Die besten Ideen entstehen aus Neugier
Noch heute tüftle ich gerne an neuen Konstruktionen, probiere Materialkombinationen aus und suche nach Lösungen für besondere Anforderungen. Genau darin liegt für mich der Reiz unseres Berufs. Jede Anfrage ist anders. Jedes Projekt bringt neue Fragestellungen mit sich. Und oft entstehen die besten Ideen dort, wo Erfahrung auf Neugier trifft.
Ich bin überzeugt:
Wer sein Handwerk liebt, entwickelt bessere Produkte.
Die Begeisterung, die mich als Kind an der Seilerbahn gepackt hat, begleitet mich bis heute. Und genau diese Begeisterung treibt uns jeden Tag an, für unsere Kundinnen und Kunden die passenden Seile aus Willisau zu entwickeln.
Es lebe die Seil- und Hebetechnik in der Schweiz und die Freude an einem Handwerk, das Tradition und Zukunft verbindet.